Die DBT-Selbsthilfegruppe Duisburg
beim Trialog zum Thema Borderline-Persönlichkeitsstörung
Die DBT-Selbsthilfegruppe Duisburg ist vertreten beim Trialog Ruhr/Niederrhein zum Thema Borderline-Persönlichkeitsstörung.
Das Borderline-Symposium wurde initiiert von Sabine Thiel vom Grenzgänger e.V. und richtete sich als Gesamtverantaltung an Betroffene, Angehörige, Fachleute und Interessierte, nachdem das Bordeline-Symposium in Köln bereits als voller Erfolg zu verzeichnen war.
Am 5.10.2011 hat sich im Rahmen des Borderline-Fachsymposiums in Duisburg ein Trialog konstituiert, der im weiteren Verlauf eine enge Zusammenarbeit von
Bertroffenen Borderline-Patienten
Angehörigen
Ärzten / Therapeuten
Sozialarbeitern und
Krankenkassen
anstrebt.
Wir als Vertreter der DBT-Selbsthilfegruppe Duisburg werden dafür einstehen, dass Selbsthilfeinteressen aus Laienhand die nötige Unterstützung aus Fachkreisen erhalten.
Damit erhoffen wir uns ein insgesamt besseres Selbstverständnis in der Öffentlichkeit beim Thema Selbsthilfe und eine bessere Vernetzung von fundierter Psychotherapie und Selbsthilfe als eigenverantwortliche Nachsorgeoption.
Der Borderline-Trialog bildet ausserdem einen adäquaten Rahmen, gemeinsam Projekte zum Thema Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickeln zu können, die sich als Ergänzug zu bereits vorhandenen, spezialisierten Therapieangeboten verstehen.
Die Borderline-Störung ist im medizinischen Sinne klassifiziert in der Kategorie der Persönlichkeitsstörungen vom "emotionalen Typ", die in der Regel chronisch verläuft und aufgrund seiner komplexen Struktur nur sehr spezifisch behandelt werden kann.
Borderliner durchleben in ihrem Alltag in der Regel typische und heftige Konflikte, die oft zur Zerreissprobe mit sich selbst, aber vor allem auch zu Hilflosigkeit des sozialen Umfeldes führen.
Diese können sein:
-
Spannungszustände
-
überdurchschnittlich intensives Wahrnehmen und Ausleben von Gefühlen, die mit Impulsdurchbrüchen einher gehen
z.B. heftige Wutausbrüche
-
erhöhte emotionale Angreifbarkeit:
oftmals reichen sehr kleine, scheinbar unbedeutende Reize (äußerlich oder innerlich) aus, um eine unkontrollierte Reaktion auszulösen
-
selbst schädigendes Verhalten
(Selbstverletzungen des Körpers, Substanzmittelmissbrauch, häufige Beziehungsabbrüche, Essstörungen, Überschreiten körperlicher und sozialer Grenzen, riskante Manöver im Straßenverkehr uvm.)
-
häufige und radikale Stimmungsschwankungen
-
Dissoziation (Verzerrung von Raum-, Zeit- und Körperwahrnehmung)
-
Schwarz-Weiß-Denken
-
schlechte Meinung über sich selbst
-
Instabilität in sozialen Beziehungen
-
erhebliche Nähe-Distanz-Konflikte mit nahestehenden Menschen
("Komm her! - Geh weg!")
Diagnose
Die Diagnose der Borderline-Störung (BPS) ist im DSM IV klar geregelt und richtet sich nach
9 Diagnosekriterien, von denen mindestens 5 erfüllt sein müssen, um die Borderline-Diagnose zu verifizieren:
-
Verzweifeltes
Bemühen, ein reales oder imaginäres Verlassen werden zu verhindern.
-
Intensives
Muster von instabilen, intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen, das
durch einen Wechsel zwischen den beiden Extremen Überidealisierung und
Abwertung gekennzeichnet ist.
-
Anhaltend
und deutlich gestörtes, verzerrtes oder instabiles Selbstbild.
-
Impulsivität
bei mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Aktivitäten, zum
Beispiel Geldausgeben, Sexualität, Substanzmissbrauch, Ladendiebstahl,
rücksichtsloses Autofahren, Fressanfälle.
-
Wiederholte
Selbstmorddrohungen, Gesten oder Versuche oder selbstverstümmelnde
Verhaltensweisen.
-
Instabilität
im affektiven Bereich: ausgeprägte Stimmungsschwankungen, zum Beispiel
Euphorie, Reizbarkeit oder Angst (ein paar Stunden andauernd, selten
länger als einige Tage).
-
Chronisches
Gefühl der Leere.
-
übermäßige,
starke Wut oder Unfähigkeit, die Wut zu kontrollieren, zum Beispiel
häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte Prügeleien.
-
Vorübergehende,
stressabhängige schwere dissoziative Symptome oder paranoide Wahnvorstellungen.
Geschichte der Borderline-Definition
Der Begriff "Borderline" geht zurück bis aufs Ende des 19. Jahrhunderts.
Seinerzeit wurde der Begriff "Borderline" für eine Art der psychischen Erkrankung genutzt, die sich nicht abschließend als "Neurose" oder "Psychose" einordnen ließ. Man sprach von einer Grenzdefinition (=eng.: "Borderline")
Die Diagnosekriterien haben sich im Laufe des vergangenen Jahrhunderts im Zuge der Erforschung der Störung immer wieder verändert, bis in den 1980er Jahren der Borderline-Begriff auch in Deutschland eine eigenständige Diagnose-Definition erhielt, die bis heute Gültigkeit hat.
Heute spricht man laut Definition des ICD von einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typus.
Häufigkeit
Schätzungen zufolge leiden ca. 1-2% der Bevölkerung an der Borderline-Persönlichkeitsstörung.
Der Anteil von Frauen und Mädchen ist dabei besonders hoch:
Zwischen 70 und 75 Prozent der Patienten sind Frauen.
Ob auch Kinder von der Störung betroffen sein können ist noch nicht
vollständig erforscht, weil sich die Symptomatik der Borderline-Störung mit Verhaltensweisen innerhalb der Pubertät häufig überschneiden. Dennoch haben sich einige Kliniken in Deutschland auf die Behandlung von Borderlinern im Kindes- und Jugendalter spezialisiert.
Selbstverletzungen - Warum?
Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum sich Borderliner immer wieder selbst schädigen.
Für Außenstehende mit einer gesunden Gefühlsregulation wirft dies immer wieder Fragen auf.
Gründe für Selbstverletzungen können insbesondere sein:
-
Abbau
von Anspannung
-
Überwindung
von intensiven Gefühlen
-
Selbstbestrafung
-
Um sich
wieder zu spüren (gegen die innere Leere, bei dissoziativen Zuständen)
-
Um einen
Kick zu erzeugen
-
Um
Aufmerksamkeit zu bekommen
Therapie und Heilung
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung gilt derzeit nicht als vollständlich heilbar.
Es gibt allerdings Therapieformen, mit denen es gelingt, Symptome einzudämmen und den Betroffenen helfen, mit den Symptomen der Störung konstruktiv und funktional umzugehen.
Eine inzwischen weltweit etablierte Behandlungsmethode ist die Dialektisch-Behavoirale Therape (DBT) nach Marsha Linehan, die diese Therapie Mitte der 1980er Jahre entwickelt hat.
Auch in Deutschland hat die DBT in den vergangenen zwei Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gewonnen und gilt inzwischen bundesweit als feste und wirkungsvolle Säule bei der Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung.
Ein in den USA neu entwickeltes Trainingsprogramm zur Behandlung der Borderline-Störung ist das in Ergänzung zur DBT angelegte STEPPS,
das neben dem eigentlichen Training ausgewählter DBT-Inhalte auch das Helferteam im sozialen Umfeld von Borderline-Patienten (Angehörige, Freunde) ganz aktiv mit einbezieht.
Eine umfangreiche Liste an DBT-Therapieangeboten in Deutschland findest Du hier
(NRW-weit sind dies insbesondere: LVR-Klinik Viersen / Haus 1, Fliedner-Krankenhaus Ratingen, St.
Alexius-Krankenhaus Neuss, Marien Hospital Dortmund, Westfälisches
Zentrum für Psychiatrie Bochum, Alexianer-Krankenhaus Münster, AMEOS
Klinikum Osnabrück, LWL-Klinik
Lengerich u.a.)
Quellen:
Die
Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) gemäß DSM-IV (301.83)
Die
emotional instabile Persönlichkeitsstörung gemäß ICD-10 (F60.3)
Borderline-Störung, Fortschritte in der Psychotherapie, Martin Bohus, Hogrefe-Verlag, 2002
DBT steht für "Dialektisch-Behaviorale-Therapie" und ist ein Ende der 1980er Jahren von der amerikanischen Psychologieprofessorin Marsha M. Linehan (University of Washington, Seattle, USA) etwickeltes Therapiemodell zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung.
In Deutschland wird diese verhaltenstherapeutisch-basierende Behandlungsmethode vorwiegend im stationären Setting in speziell ausgebildeten Kliniken angewandt, jedoch nimmt auch der Anteil an teilstationären und ambulanten Behandlungsangeboten stetig zu.
Das sogenannte "Skillstraining" ist ein speziell auf die Schwierigkeiten und Probleme von Borderline-Patienten ausgelegtes Konzept der Verhaltenstherapie, das auf fünf Schlüsselkompetenzen aufgebaut ist:
Wir lernen anhand ganz konkreter Übungen,
-
mit Stress umzugehen
-
unsere Aufmerksamkeit auf die Realität zu schärfen
-
unsere überdurchschnittlich intensiven Gefühle zu regulieren
-
unsere Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen zu verbessern
-
unseren Selbstwert zu stärken
-
und nicht zuletzt einen "Waffenstillstand" mit uns selbst zu schließen.
Was bedeutet "Skill" (=Fertigkeit)?
Jedes Verhalten, das in einer schwierigen Situation kurzfristig wirksam ist und dabei langfristig keinen Schaden zufügt, bezeichnet die DBT als "Skill".
Jeder Mensch verwendet eine breite Palette an Skills im Alltag:
Dies kann ein entspannendes Bad ebenso sein wie die Verabredung mit Freunden. Man tut sich etwas Gutes, um sich eine kurze Auszeit vom Alltag zu nehmen, streichelt für einen kleinen Moment lang seine Katze oder geht eine Runde an die frische Luft, um Abstand von schwierigen Situationen zu bekommen. Geht ins Schwimmbad oder ins Theater. Pflegt Hobbies und achtet auf seine Gesundheit. Führt ein konstruktives Gespräch mit seinem Chef und denkt vorausschauend. Hält seine Freunde bei Laune und baut sich ein angenehmes Nest zu Hause.
All dies sind Skills, die jeder Mensch einsetzt, meist ohne es selbst bewusst zu bemerken und die sich die DBT bei der Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung gezielt zunutze macht.
Keine Skills dagegen sind selbst schädigende Verhaltensweisen, wie z.B. Drogenkonsum, Selbstverletzungen des eigenen Körpers oder Essattacken. Diese mögen zwar kurzfristig für Entlastung sorgen, sind jedoch langfristig sehr schädlich. Diesen Widerspruch gilt es in der DBT aufzulösen.
Die 5 Module des Skillstrainings:
Achtsamkeit:
Achtsamkeit ist die Basis aller Fertigkeiten, die wir in der Therapie erlernen.
Das achtsame Wahrnehmen der Realität -das intensive Sehen, Hören, Riechen, Tasten und Schmecken- ist die Grundvoraussetzung dafür, daß wir unsere Fertigkeiten überhaupt einsetzen können.
Denn nur wer gelernt hat, die Realität achtsam und ohne Interpretationen oder Wertungen wahrzunehmen, ist überhaupt in der Lage, schwierigen Situationen aktiv etwas entgegenzusetzen.
Stresstoleranz
In diesem Modul lernen wir Fertigkeiten zur Bewältigung von akuten Hochstressphasen sowie zur Bewältigung von belastenden Situationen, die sich nicht verändern lassen.
Impulsivität und irrationale Affekthandlungen unter Hochstress sind oftmals selbstschädigend-
Wir lernen in diesem Abschnitt der Therapie, uns von den eigenen Gedanken und Empfingungen abzulenken und lernen, uns mit Hilfe unserer Sinnesorgane zu beruhigen.
Um potentiell selbst schädigende Extremanspannung kurzfristig, wirkungsvoll und schnell zu beenden, setzen wir sehr starke äußere Reize ein, die wir auf den Körper richten (z.B. Kälte, Hitze, Schärfe, intensive Gerüche, ein Gummiband, das man ans Handgelenk flitscht usw.).
Wir lernen außerdem effektive Strategien zum Annehmen von Realität und Verantwortung, wenn sich äußere Situationen schlichtweg nicht verändern lassen.
Bewusster Umgang mit Gefühlen
Die Schwierigkeit, starke Emotionen zu steuern, ist ein charakteristisches Merkmal der Borderline-Störung.
Ziel des Moduls ist es, unser emotionales Leiden in seiner Gesamtheit zu vermindern.
Uns werden grundlegende Fertigkeiten zur Regulation von intensiven (negativen wie positiven) Gefühlen vermittelt, damit diese nicht in einem unkontrollierten Impulsdurchbruch enden.
Wir lernen Gefühle zu beobachten, zu beschreiben und ihre Bedeutungen und Auswirkungen zu verstehen, sodass wir in die Lage versetzt werden, aktuelle Situationen und vergangenes Erleben voneinander zu unterscheiden.
Wir lernen die Verwundbarkeit gegenüber schmerzhaften Gefühlen zu verringern und positiven Gefühlen mehr Raum zu geben.
"Ich habe ein Gefühl, aber ich bin nicht das Gefühl!"
Zwischenmenschliche Fertigkeiten
Borderline-Betroffene handeln oftmals im Affekt, ohne dabei die Beziehung zum Gegenüber realistisch im Blick zu haben.
Dies kann oftmals zu katastrophalen Folgen in der Beziehung führen und die Geduld des Umfeldes ungebührend strapazieren.
In diesem Modul erlernen wir Strategien, um unsere zwischenmenschlichen Kompetenzen insgesamt zu verbessern, ohne irgendwelchen Schaden anzurichten.
Ist meine Reaktion auf eine Situation überhaupt angemessen?
Wie kann ich mich in die Situation meines Gesprächspartners versetzen?
Wie kann ich meine Grenzen zeigen und meine eigenen Ziele durchsetzen, ohne dabei die Beziehung zu meinem Gegenüber aufs Spiel zu setzen?
Wie bewahre ich meine Selbstachtung ohne dabei meinem Umfeld vor den Kopf zu stossen?
Wie bleibe ich in der Interaktion höflich, aber bestimmt?
Selbstwert
Dieses Modul behandelt im Wesentlichen zwei Wege, über die wir eine Verbesserung des Selbstwerts erreichen können:
Der erste Weg geht über Handlungen: wir lernen, etwas freundlicher mit uns selbst umzugehen, indem wir unseren Fokus auf die eigene Selbstfürsorge richten.
Der zweite Weg befasst sich mit den negativen Mythen und Einstellungen ("Grundannahmen") über uns selbst, die es gilt durch positive Glaubenssätze zu ersetzen.
Weitere Werkzeuge während der Therapie
Neben der Vermittlung der fünf Module spielen während der Therapie besonders Verhaltensanalyen mit Hilfe des Therapeuten eine wichtige Rolle, um unser destruktives Verhalten besser zu verstehen und geeignete Prophylaxestrategien für die Zukunft zu entwickeln.
Tagebuchkarten ("Diary Cards") helfen uns dabei, den Behandlungsverlauf zu analysieren und Erfolge sichtbar zu machen.
Gestützt wird die Behandlung im stationären Setting in den meisten Kliniken durch Einzelgespräche mit Therapeuten und Pflegepersonal, durch Entspannungstechniken sowie durch Angebote zu Kreativität und Bewegung.
DBT-Kompetenz bedeutet also nicht das aus dem Gesamtkontext herausgerissene Durchführen einer Achtsamkeitsübung oder das blosse Einsetzen von starken Reizen (Kälte, Schärfe, starke Gerüche, Igelball usw.) bei einem Borderliner ohne jede Therapieerfahrung.
Die DBT-Therapie ist insgesamt sehr komplex und sollte grundsätzlich Fachleuten überlassen werden-
denn nur durch ein ganzheitliches Training aller Fertigkeiten im geschützten therapeutischen Rahmen ist es möglich, diese letztlich auch in schwierigen Situationen einsetzen zu können.
Der Verlauf einer DBT-Therapie umfasst mehrere Phasen :
-
Abbau von Suizidalität
und Selbstverletzung.
Verhaltensmuster, welche die Therapie gefährden, abbauen.
Verhaltensmuster, welche die Lebensqualität des Patientien erheblich belasten, abbauen
(z.B. Drogenkonsum, Essstörungen, dissoziative Störungen
etc.)
-
Bearbeitung von emotionalen und kognitiven Folgen früher Traumatisierung
-
Neuorientierung und Integration, Entwicklung von Lebensplänen
Eine Liste an DBT-Therapieangeboten in Deutschland findest Du hier.
Interaktives SkillsTraining für Borderline-Patienten, Martin Bohus / Martina Wolf / Hans Gunia, Schattauer 2009
Unsere Kooperationspartner:

Grenzgänger e.V. / Grenzgänger NRW für Borderline-Angehörige und Borderliner

HOPS- Homosexuelle mit Persönlichkeitsstörung

Grenzposten e.V.

Selbsthilfe-Kontaktstelle Duisburg
http://www.borderline-netzwerk.info